Dec 072019
 
212_-Butaco-Zapala    
Die Strasse ist schon längstens wieder asphaltiert, und es erwartet uns auf der RN 40 auch keine weitere Schotterpiste. Die Gegend ist weiterhin durch vulkanisches Gestein geprägt.   __SM1819
__SM1821   In Chos Malal müssen wir unbedingt auftanken. Man steht Schlange bis um die Häuserecke herum an der einzigen YPF Tankstelle im Ort. Die Wartezeit verlängert sich um fast eine Stunde als ein Tanklastwagen kommt, um die Depots aufzufüllen. Wir nehmen es gelassen, wie die anderen Wartenden auch. Es ist ziemlich warm, Silvia lässt die Klimaanlage im Auto wegen der Hunde laufen. Sie bekommen zu trinken, dann schlafen sie wieder. Plötzlich ertönt ein wildes Rumoren aus der Hundebox. Ist es Carmela verleidet, hat sie einen Tobsuchtsanfall? Es ist viel schlimmer, Carmela hat einen epileptischen Anfall. Sie liegt auf der rechten Seite, die Beine zappeln, der Körper total verkrampft, die Augen verdreht, Schaum vor dem Maul, dieses aber offen. Silvia zieht sie ins Freie, dort erholt sie sich langsam. 50 Sekunden war Carmela bewusstlos, 50 Sekunden in denen wir dachten, ihr letztes Stündlein hätte geschlagen, 50 Sekunden die einem wie eine Ewigkeit vorkommen, 50 Sekunden voller Angst, weil wir auf so etwas nicht vorbereitet sind. Nachher ist Carmela total orientierungslos und nicht ansprechbar, normal nach so einem Anfall lesen wir später. Nach einer Weile kommt Leben in das Hündlein zurück und sie hat einen riesigen Durst. Sie säuft, sucht die Nähe von uns und Rocky. Also tun wir sie zu Rocky auf die Rückbank, wo sie erst mal völlig erschöpft einschläft. Wir beschliessen abzuwarten, vielleicht war dieser Anfall einmalig, im Augenblick können wir sowieso nichts machen, ausser einen ruhigen Platz zu suchen, wo wir für den Rest des Tages bleiben können.
30 km vor dem Ort Las Lajas finden wir den ruhigen Platz. Hier haben wir schon einmal vor 18 Monaten übernachtet. Man kann dort auch gut mit den Hunden spazieren gehen. Um 17 Uhr, nach fast 5 Stunden,  hat Carmela den zweiten Anfall, wieder 50 Sekunden lang. Man glaubt, sie müsse ersticken. Schrecklich. Alles spielt sich wie beim ersten Mal ab. Wir entscheiden, dass Silvia mit ihr in den Ort zum Tierarzt fährt, Erich soll an der Tankstelle im gleichen Ort mit dem Womo auf sie warten.
Der Tierarzt sollte um 18 Uhr öffnen, sagen die Polizisten von der Praxis gegenüberliegenden Polizeistation. Als nach 15 Minuten immer noch niemand da ist (was hier nicht ungewöhnlich ist), ruft Silvia beim Tierarzt an. Er nimmt nicht ab, auch eine Passantin versucht es ohne Erfolg. Sie empfiehlt Silvia in die nächst grössere Stadt zu fahren, nach Zapala, eine Stunde Fahrtweg. Dort habe es mehrere Tierärzte, die auch samstags geöffnet haben. Wieder macht Silvia mit Erich einen Treffpunkt in Zapala ab. Carmela hält sich gut, sie schläft tief und fest auf der Fahrt. In Zapala steuert Silvia verschiedene Tierarztpraxen an, alle haben geschlossen, es ist mittlerweile fast 20 Uhr ( In Argentinien haben die Tierärzte und Läden meist bis 21 Uhr geöffnet). Es ist zum verzweifeln, einen Notarzt gibt es nicht. Ein Tankstellenangestellter telefoniert überall ohne Glück herum. Vielleicht sei überall zu, weil morgen Feiertag ist.
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P1080047   In unserer Not rufen wir Silvia K. vom Paraiso Suizo in Uruguay an. Sie telefoniert sofort mit ihrem Tierarzt. Vielen, vielen Dank Silvia! Pancho gibt ihr drei Medikamente gegen Epilepsie an, eines davon sollte ich in der Apotheke erhalten.  Er fragt aber auch, ob ein Infekt oder Fieber vorliegt, ob sie plötzlichem Stress ausgeliefert war. Schleunigst fahre ich, Silvia,  zur nächsten Apotheke, ohne Rezept bekommt ich die Medis nicht, ich solle doch zum Tierarzt gehen. Was für ein Drama. Wir können nur hoffen, dass Carmela keinen Epianfall mehr bekommt. Ich gebe ihr vorsorglich Cortison, falls doch eine Entzündung der Auslöser sein sollte. Es kann nur besser werden damit.
Am nächsten Morgen um 8 Uhr kommt der dritte Anfall. Wir haben recherchiert und wissen, dass wir in so einem Fall die Nerven behalten sollten und auch nicht einwirken sollten während dem Anfall. Jetzt rufen wir unseren Tierarzt Darko in der Schweiz an. Es ist Sonntag, Sonntagmorgen bei uns, 4 Stunden später in der Schweiz. Darko ist sofort ganz sachlich bei der Sache, stellt die richtigen Fragen, bekommt Antworten und kombiniert, dass die Inhaltsstoffe der Entwurmungskur aus Paraguay (gegeben wegen dem Gesundheitszeugnis für den Grenzünertritt nach AR) vor  4 Wochen Schuld haben könnten. Gleichzeitig beruhigt er uns, dass die Anfälle nach 3-4 Tagen wieder aufhören sollten. Cortison können wir weiter geben, um eine allfällige Entzündung zu hemmen, wir schaden Carmela damit nicht. Ausserdem informiert er uns, dass die Epimedis erst nach 10 Tagen wirken würden. Ich müsse sie nicht unbedingt kaufen.
Darko hat uns beruhigt. Ganz lieben Dank. Tatsächlich erfolgt kein weiterer Anfall. Jedoch schläft unser Mädchen fast 24 Stunden durch und ist danach etwas verwirrt, von dem Bärenhunger ganz zu schweigen. Wir machen mit Darko aus,  ihm in 3 Tagen Feedback zu geben.
   

Übernachtungsplatz: Aca YPF Zapala

GPS: S 38 53.383’, W 70 02.330’
Preis: Gratis
Strom: Nein
Wasser: Ja, beim Parkplatz der Tankstelleneinfahrt
WiFi: Ja
Big Rigs: Ja
Dogs: Ja

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